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Die Nicaraguanische Revolution bezeichnet einen Abschnitt der nicaraguanischen Geschichte, in der die Diktatur von Anastasio Somoza Debayle auf vielfältige Weise - auch blutig - überwunden wurde.
Bearbeiten VorgeschichteGroße Streiks der Bauarbeiter 1973/74, denen sich andere Gruppen anschlossen, führten im Dezember 1974 zu einem Zusammenschluss der bürgerlichen Opposition in der "Demokratischen Union für die Befreiung" UDEL, die vom oppositionellen Verleger der Tageszeitung "La Prensa", Pedro Chamorro angeführt wurde. Am 27. Dezember 1974 unternahmen die Sandinisten (Frente Sandinista de Liberación National, FSLN) einen spektakulären Überfall auf ein Bankett zu Ehren des US-Botschafters, in dessen Verlauf die Freilassung 14 politischer Gefangener erreicht wurde. Somoza antwortete daraufhin mit Kriegsrecht und harter Repression, nicht nur gegen die Guerillabewegung, sondern auch gegen die Gewerkschaftsbewegung und UDEL. Überfälle der FSLN auf Kasernen der Nationalgarde folgten. Verdächtige verschwanden. Ihre Leichen entdeckte man später im Krater des Vulkans Momotombo, andere wurden an den Küsten angeschwemmt; man hatte sie über dem offenen Meer lebendig aus Hubschraubern geworfen. Spätestens ab 1977 führte Somoza einen Krieg gegen die Bevölkerung Nicaraguas. Am 10. Januar 1978 ließ der "Kronprinz" der Diktatur, Anastasio Somoza Portocarrero den Verleger und Chef der UDEL, Pedro Chamorro ermorden. Protestdemonstrationen, ein Wirtschaftsboykott von oppositionellen Unternehmern, ein mehrtägiger Aufstand in Monimbó, dem indigenen Viertel von Massaya und Streiks waren die Folge. Bearbeiten Sturm auf den NationalpalastAm 22. August 1978 stürmte ein FSLN-Kommando den Nationalpalast in Managua, nahm das gesamte Parlament, mehrere Minister und Familienangehörige Somozas als Geiseln, um 60 Gefangene erfolgreich freizupressen. Die Oppositionsfront FAO rief den Generalstreik aus, tägliche Massendemonstrationen im ganzen Land und spontane Aufstände steigerten sich zu einem allgemeinen Aufstand am 9. September 1978, den die Nationalgarde mit größter Brutalität, Luftangriffen und Panzereinsätzen beantwortete: ca. 5.000 Tote und ca. 10.000 Verletzte unter der Zivilbevölkerung waren das Resultat. US-Präsident Jimmy Carter distanzierte sich von Somoza, kürzte ihm die Militär- und Wirtschaftshilfe und stellte sie später endgültig ein. Der Internationale Währungsfonds gewährte Somoza weitere 66 Mio. US$ Kredit. Der Vorsitzende der kath. Bischofskonferenz verlangte von der Regierung, die "Untaten der Nationalgarde" gegen die Zivilbevölkerung sofort zu stoppen. Unter Führung des von Präsident Carter eingesetzten US-Sonderbotschafters William Bowdler trat eine Vermittlungskommission der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) in Managua zusammen. Die FAO forderte den bedingungslosen Rücktritt Somozas und die Bildung einer provisorischen Regierung aller anti-somozistischen Gruppen. Die FAO spaltete sich in eine bürgerliche Mehrheit, die einer Koalitionsregierung mit Somozas "Liberaler Partei" unter Ausschluss der Sandinisten zustimmte, und eine Minderheit. Die Vermittlungsbemühungen scheiterten und mündeten 1979 in einer Wiedervereinigung der seit 1975 gespaltenen FSLN, die in Folge einen unbefristeten Generalstreik im ganzen Land auslöste und ab Ende Mai in 3 Wochen ca. 20 Städte eroberte. Somoza erklärte das verschärfte Kriegsrecht, stellte zusätzliche Verbände auf, zu denen Experten aus verschiedenen Ländern und Exilkubaner zählten. Mexiko brach seine diplomatischen Beziehungen zu Nicaragua ab, Brasilien, Costa Rica, Grenada und Panama folgten. Die Mitglieder des Anden-Pakts zogen nach und verpflichteten sich gegenüber dem neutralen, pazifistischen Costa Rica, im Falle eines Angriffs aus Nicaragua, ihm zu Hilfe zu kommen und erkannten der FSLN den Status als kriegsführende Macht zu. Somozas Versuch, durch ein Treffen in Guatemala mit den Partnern des Zentralamerikanischen Verteidigungsrats CONDECA, dem neben Nicaragua, El Salvador, Guatemala und Honduras angehörten, sich diplomatische und militärische Entlastung zu verschaffen, endete mit für Somoza enttäuschend geringen Waffenlieferungen an seine Nationalgarde. Am 16. Juni 1979 bildete sich eine fünfköpfige "Regierungsjunta des nationalen Wiederaufbaus", zu der neben drei Sandinisten auch der Unternehmer Alfonso Robelo und Violeta Barrios de Chamorro, Witwe des ermordeten Verlegers gehörte, die später Regierungschefin in Nicaragua wurde. Versuche der Vereinigten Staaten in der OAS, eine panamerikanische Interventionstruppe nach Nicaragua zu entsenden, scheiterten. Ein US-Plan zur Bildung einer Übergangsregierung wurde ebenfalls von allen Seiten abgelehnt. Somoza floh am 17. Juli 1979 mitsamt seiner Familie und dem Generalstab der Nationalgarde nach Florida. Obwohl Somoza mit den USA eine Absprache traf, nach der sein Schwager Francisco Urcuyo als Übergangspräsident nur den Waffenstillstand unterzeichnen und die Macht der fünfköpfigen Regierungsjunta übergeben sollte, forderte dieser die Sandinisten auf, die Waffen niederzulegen und ihn als Präsidenten bis 1981 zu akzeptieren. 36 Stunden später, am 19. Juli 1979 floh auch Urcuyo, nachdem sich immer mehr Einheiten der inzwischen führungslosen, an Munitionsmangel leidenden und sich in Auflösung befindlichen Nationalgarde den Sandinisten ergeben hatten. 20.000 bis 30.000 Menschen kostete dieser Kampf das Leben, eine noch höhere Zahl wurde verletzt, die Zahl der Flüchtlinge wurde auf 150.000 Menschen geschätzt. Am 17. September 1980 wurde Somoza in Asunción, Paraguay von sandinistischen Attentätern getötet. Bearbeiten Das neue RegimeNach dem Sturz Somozas errichteten die Sandinisten ein zunächst vom westlichen Ausland nicht anerkanntes Regime, weil sie nach dem mit der Unterstützung des ganzen Volkes erzielten Sieg keinen Sinn in allgemeinen Wahlen sahen, die vom Ausland immer wieder gefordert wurden. Zu diesen Umständen gehört auch, das in verschiedenen Regionen, insbesondere an den Grenzen und in den Bergen gegen Contras genannte konterrevolutionäre Verbände gekämpft wurde. Diese wurden massiv aus den Vereinigten Staaten unterstützt (siehe z.B. Iran-Contra-Affäre). Dennoch fanden sich bald freiwillige Helfer aus aller Welt ein, die ihre Arbeitskraft für Aufbauprojekte zur Verfügung stellten. In westlichen Universitätsstädten wurde unter anderem von Linken und Dritte-Welt-Gruppen ein Handel mit direkt importiertem Nicaragua-Kaffee betrieben, um so dem Land Devisen und den Kaffeebauern einen besseres Einkommen zu beschaffen. Die Revolution wurde von vielen Intellektuellen und Künstlern Nicaraguas gestützt. Zu den bekanntesten Unterstützern zählte der Priester und Schriftsteller Ernesto Cardenal, der nach dem Sturz von Somoza zum Kulturminister ernannt wurde und dieses Amt bis 1987 innehatte. Bearbeiten Weblinks |
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